Rathausausstellung: Youjin Yi

Donnerstag 21. März 2019 von 19 bis 21 Uhr ist Eröffnung der Ausstellung „Sehnsucht nach Sehen“ mit Gemälden von Youjin Yi im Rathaus Pasing. Einleitende Worte: Tina Hudelmaier. Die Ausstellung dauert vom 21. März bis 2. Mai 2019.  Am 2. April um 17 Uhr führt die Künstlerin durch ihre Ausstellung.

Auf Leinwand und handgeschöpftem Koreanischem Papier setzt sich Youjin Yi in der Malerei mit Landschaft und Figur auseinander. Farbintensive Pigmente und zartes Ölpastell umreißen das Spiel der Linie und deuten eine natürliche Umgebung an. Yi arbeitet mit räumlichen Strukturen und dies beginnt bereits bei der Oberflächenbeschaffenheit des Papiers und der Leinwand. Schraffuren und Farbflächen wechseln sich ab und verweisen spielerisch in die jeweiligen Schranken. Ihre Bilder changieren zwischen Malerei und Zeichnung.
Yis Arbeiten begeben sich auf die Suche nach einem Unterbewusstsein.

Youjin Yi, Krähe, 2017

Fotos im Atelier von Youjin Yi     Vita

Youjin Yi: Sehnsucht nach Sehen

Youjin Yi, geboren 1980 in Gangnung, Südkorea arbeitet in den Medien Malerei, Zeichnung und Grafik. Ihre asiatische Herkunft und Prägung einerseits und ihr Studium und ihre Reisen in Europa andererseits führten unwillkürlich zu „Vergleichen“. Beispielsweise schätzt sie das Weglassen, das Stehenlassen freier Flächen im Bild, die dabei ihre eigene Ästhetik entwickeln können, eine „Schönheit der Leere“, wie sie es nennt, oder auch das „Lassen“ an sich und in weitestem Sinne. Diese Haltung erlebt sie als Gegensatz zur westlichen Tendenz, stets nach Klärung und intellektueller Durchdringung einer Thematik zu streben. Dies ist etwas, das für Youjin Yi bereits in unserer Sprache begründet liegt, die für ihr Empfinden viel abstrakter und philosophischer, dafür weniger frei, ironisch und metaphorisch angelegt ist als das Koreanische.

Youjin Yi, Blaue Mondsichel

Ihre Bilder entstehen auf dem Boden flach liegend und in relativ schneller Arbeitsweise. Den so vorgegebenen Abstand zum Bild und den speziellen Sichtwinkel empfindet Yi als befreiend. Die innere Distanz folgt erst nach dem Aufhängen. Unter Umständen muss das Bild dann zurück auf den Boden. Im Koreanischen bedeutet das Wort „Bild“ ursprünglich „Sehnsucht nach Sehen“. Nach diesem Verständnis kommt dem Sehen eine über den rein physiologischen Vorgang hinaus gehende Bedeutung zu. Die künstlerische Praxis erhält hier eine Komponente von Erfühlen, Erstreben, von konzentrierter Hinwendung. Das Sehen wird damit zu einem inneren Vorgang, der sich erst in einem nächsten Schritt nach außen wendet: Was passiert da auf der Bildfläche? Wie manifestieren sich die eigenen Imaginationen in der Oberfläche eines Materials, in den Formen und Farben? Erkennbarkeit steht dabei nicht im Vordergrund. Eher – wie kann Youjin Yi als Künstlerin vermitteln, was sie sieht, wohin ihre Sehnsucht sie führt? Wie verwirklicht sich eine Idee? Durch das gewählte Material fällt eine Entscheidung. Als Zeichnerin, Grafikerin hat sie ein sehr bewusstes Verhältnis zur Linie. In der asiatischen Tuschezeichnung, die mit langem, weichem Pinsel arbeitet, schneiden Linien in die Fläche, kann Fläche selbst zur Linie werden und Linie zur Fläche. Der Winkel des aufgesetzten Pinsels, sein Gewicht gestaltet die Dichtigkeit der Form. Youjin Yi setzt die Spitze ihres Pinsels wie die eines Messers ein, um ihre Formen zu finden.

Youjin Yi, Auf dem Weg